Gedanken / Inspirationen

Hier werde ich in (un)regelmässigen Abständen einige Gedanken zum Yoga und der Trainingswissenschaft veröffentlichen. Ich hoffe, dich hiermit inspirieren, motivieren und informieren zu können....

 

 

„Erfolg erreicht man nicht durch das Tragen bestimmter Kleidung oder das Reden über Yoga. Die Übung allein führt zum Ziel.“ Hatha-Yoga Pradipika 1/68

 

 

Was bewirkt eine regelmässige Yogapraxis?

 

Das Praktizieren der Yogaübungen wirkt auf den Menschen in seiner Gesamtheit. Im traditionellen Yoga werden fünf Schichten oder Hüllen (Koshas) des menschlichen Körpers unterschieden. Die Yogapraxis wirkt sich auf jede dieser fünf Koshas aus:

 

-Annamaya Kosha:

Die "Nahrungshülle"; der grobstoffliche Körper. Bewegungsapparat, Organe, Nervensystem, Atemapparat, Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel, Hormone....

 

-Pranamaya Kosha:

Der Energiekörper. Energiehaushalt, Regenerationsvermögen, Durchhaltevermögen (Stamina), Ausdauer, Power...

 

-Manomaya Kosha:

Der emotionale Körper. Lebenslust, Gelassenheit, Angst, Wut, Zorn, Mitgefühl (auch mit sich Selbst!), Lebensfreude, Fröhlichkeit...

 

-Vignanamaya Kosha:

Der Körper der Weisheit; die geistige Ebene. Konzentrationsfähigkeit, Denkmuster, Kreativität.....

 

-Anandamaya Kosha:

Der Körper der Glückseligkeit; die spirituelle Ebene. Karmische Ablagerungen (Samskaras), Karma, Reinkarnation, (Un)glücksfälle, Lektionen, Aufgaben, Krankheiten, besondere Talente und Fähigkeiten....

 

Deine Praxis bzw. alles, was Du in deiner Yogastunde mit und über Dich lernst, sollte auch in der äusseren Alltagswelt funktionieren und Wirkung zeigen! Wenn die Erfahrungen in der Stunde (der Übungssituation) nicht durch deine dir innewohnende Weisheit transformiert und in dein alltägliches Leben integriert werden, dann ist diese wertvolle Übungsstunde zu einem weiteren Konsumobjekt, Entertainment und einem Verlust deiner kostbaren Lebenszeit verkommen...

 

-Habe ich es geschafft, auf geistiger oder mentaler Ebene (anstatt auf rein körperlicher)  flexibler zu werden oder folge ich immer noch starren Glaubenssätzen und Denkmustern, die mich einengen und in meinem individuellen Wachstum beschränken?

 

-Schaffe ich es, meinen Widerstand gegen den jetzigen Moment (so wie er eben gerade ist) aufzulösen bzw. diesem Moment mehr Akzeptanz entgegen zu bringen?

 

-Ist es für mich möglich, offener zu sein und den Dingen und Menschen um mich herum zu gestatten, so zu sein wie sie sind anstatt sie anders haben zu wollen?

 

-Ist die geistige Fantasiewelt meiner Zukunft oder meiner Vergangenheit wichtiger für mich wie dieser gegenwärtige Moment?

 

-Verliere ich mich in meinen subjektiven Ansichten und Meinungen, die absolut nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben?

 

-Kann ich mir selbst und anderen Achtung und Wertschätzung (Respekt) entgegenbringen, ohne mich geistig aufzublasen oder zu erniedrigen?

 

-Kann ich bei mir bleiben und mich selbst aushalten ohne alles (laut oder gedacht) kommentieren zu müssen?

 

-Bringe ich mir selbst(und anderen) Mitgefühl entgegen? bin ich liebevoll und nett (zu mir)?

 

-Verwechsle ich meinen theoretischen Wissenstand (durch das Lesen von Büchern, Zeitschriften wie Happinez und Co, Podcasts) mit Weisheit, also mit der tatsächlichen individuellen Erfahrung, die mir dieses altbewährte Übungssystem ermöglicht?

 

.....

 

 

Yama und Niyama: Die wichtigsten Bausteine des achtgliedrigen Yogaweges:

(Sie finden leider in der westlichen "Yogawelt" sehr wenig bis überhaupt keine Beachtung!)

 

Yama:

Als Yamas werden die fünf Empfehlungen (keine Gebote! es sind Übungsregeln!!!) für den Umgang mit der Welt bezeichnet. Diese fünf Übungsregeln sorgen dafür, dass man in Ruhe und Frieden mit sich und der Welt praktizieren kann. Man stört andere Wesen nicht und wird auch nicht gestört. (In den frühen Rigveden wird Yama interessanter Weise als auch der Gott des Todes bezeichnet; wenn man sich also im übertragenen Sinne die Yamas und Niyamas zu Herzen nimmt, wird es für ihn nicht allzu leicht werden...;-))

 

Ahimsa

bedeutet, nicht zu Töten und nicht zu Verletzen! Gewaltlosigkeit in Gedanken, Worten und Taten mit sich selbst und allen anderen Wesen. das gilt auch für die gemeine Stubenfliege;-)

 

Satya

Wahrhaftigkeit, keine Lügen, kein Klatsch und Tratsch, keine unlautere Rede, kein Ablästern hinter dem Rücken Anderer, keine üble Nachrede, nicht fluchen....

 

Asteya

nicht stehlen; nicht nehmen, was nicht gegeben wurde; dies bezieht sich nicht nur auf materielle Güter, sondern auch auf geistiges Eigentum, auf die Zeit und Energie anderer...

 

Brahmacharya

wörtlich: Enthaltsamkeit; Mässigung, kein sexueller Missbrauch (Treue dem Partner gegenüber, kein Ausnutzen von Machtverhältnissen, z.b. Yogalehrer mit Schüler, Chef mit Sektretärin, Arzt und Krankenschwester etc...)

 

Aparigraha

Einfachheit, Grosszügigkeit (dies bezieht sich nicht nur auf materielle Güter, sonden auch die eigene Zeit, das eigene Wissen, Geduld etc.), "nicht anhäufen" also kein Horten von bestimmten Dingen etc. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn wie soll man in der Lage sein, seine eigenen Ideen und Überzeugungen loszulassen, wenn man es nicht einmal schafft, materielle Dinge loszulassen?.

 

 

 

Niyama:

Diese fünf Empfehlungen beziehen sich auf den Umgang des Yogins mit sich selbst. "Wie gehe ich bewusst mit mir selber um?".

 

Saucha

Reinheit. Saucha bezieht sich sowohl auf die körperliche, wie auch auf die geistige, also innere Reinheit bzw Hygiene. Als Beispiele für die innere Reinheit seien hier die Kriyas, Pranayama aber auch die Klarheit der Gedankenwelt genannt.

 

Santosha

Genügsamkeit bzw. Zufriedenheit. Aber auch Bescheidenheit und Demut im Hinblick auf die eigenen Erwartungen, Sichtweisen und Glaubenssätze. Die Dinge akzeptieren, wie sie eben sind und nicht so wie wir sie gerne hätten; "der Vergleich ist der Tod des Glücks".

 

Tapas

Innere Hitze; die innere Disziplin und Ausdauer beim Praktizieren. Regelmässige Übungspraxis, auch wenn einem der Sinn nach etwas anderem steht, oder man keine Lust dazu hat.  Der innere Drang zu praktizieren (Samvega: Spirituelle Dringlichkeit). Durch Tapas werden körperliche sowie geistige Unreinheiten und Hindernisse auf dem Yogaweg "verbrannt".

 

Svadhyaya

Selbstreflexion, Selbstbeobachtung, (Selbst)studium (auch das Studium der Schriften und Texte); "was tue oder sage ich, warum tue ich es und was hat das für einen Effekt?"; "Ist das was ich tue zuträglich oder nicht zuträglich?

 

Ishvarapranidhana

Hingabe, Vertrauen an die höheren Kräfte bzw. das Loslassen von Ängsten, Zweifeln und Sorgen.

 

 

 

Die restlichen Glieder des achtgliedrigen Pfades (Ash-tanga)

 

Asana:

von der indogermanischen Wurzel "As" abstammend (vgl engl. "Ass"), bezeichnet das Wort Asana den Sitz des Yogins; einen Meditationssitz bzw. eine Meditationshaltung.

 

"sthira sukham asanam" - patanjali yoga sutra 2.46: "stabil und bequem möge der Sitz/die Haltung sein."

 

Im Westen wird Yoga auf die eigentlich falsche Interpretation des dritten Astes, also auf die Körperhaltungen reduziert. Das führt leider dazu, dass unser Wettbewerbsdenken, unsere Eitelkeiten, unser Ehrgeiz, unser "uns nicht gut genug Fühlen" stärker gemacht werden; wir machen uns also zusätzlich noch mehr Stress (Druck!), als wir ohnehin schon mit in diese wertvolle Stunde bringen. Das Yogasystem war eigentlich als Werkzeug gedacht, um uns von diesen Illusionen komplett zu befreien.

Es geht auch nicht darum, während der Stunde toll auszusehen oder sich besonders spirituell darzustellen mit bunt bedruckten engen Yogapants, Tüchern und sonstigem Schnick Schnack, der unserer einprogrammierten modernen Vorstellung von Yoga entspricht. Eine Mala ist auch kein Halskettchen oder Armband, sondern ein Werkzeug zur Rezitation von Mantren. Ein Mantra besteht aus einer oder mehreren Silben, welche von den vedischen Rishis (Rishi=Seer) in tiefer Versenkung (Samadhi) gehört wurde (vgl. OM, So-Ham, Hamsa...)

 

Wie einer der wenigen echten (westlichen) Yogalehrer Bryan Kest so schön sagt: "Don´t bring your Scheisse into Yoga! Leave it at the door!  (Bryan hat kein teuer erkauftes Zertifikat von irgendeiner selbsternannten Yoga-Vereinigung oder noch nichtssagender von irgendeinem Yogastudio and der nächsten Ecke. Er bringt die echte individuelle Erfahrung mit)

 

 "atha yoga-anusasanam" - patanjali, samadhi padah 1: "Yoga, eine Einführung in die (persönliche) Erfahrung"

 

 

Pranayama:

der vierte Ast bzw. das vierte Glied bezieht sich auf die Zusammenführung von Körper und Geist und die Akkumulation von Lebensenergie in den verschiedenen Ebenen des Körpers (Koshas) und den sog. Nadis (Energiebahnen, wörl. ´Flüsschen`) Hierzu werden bestimmte Atemtechniken in sitzender Haltung oder in Verbindung mit fliessenden Körperübungen genutzt. Das höchste Pranayama ist der natürliche Atem. Falls man ihn denn bemerkt! Wir atmen ca. 21.600 mal pro Tag ein und aus..., wie oft bemerken wir hierbei unseren natürlichen Atem???

 

 

Pratyahara:

Das Zurückziehen oder -lenken der fünf Sinne nach Innen; ähnlich einer Schildkröte, die ihre Gliedmassen wieder in den Panzer zurückzieht. Hierbei geht es nicht um ein Abschotten der Sinne oder eine Art Flucht, sondern deren Disziplinierung und Verfeinerung, so dass sie sensibler und feinfühliger werden. Wir lernen, unsere Sinne zu kontrollieren, anstatt sie uns. Unsere Sinneskanäle sind im Alltag permanent nach Aussen gerichtet, was ein Abdriften unseres unstetigen Geistes in die Zukunft oder Vergangenheit mit sich bringt! Betrachte deine Yogamatte als eine Art Bilderrahmen und Dich als Bild in diesem Rahmen, so als wärst du ganz alleine beim Üben...

 

 

Dharana:

Konzentration.

Die neutrale Fähigkeit, seine Aufmerksamkeit auf eine Sache auszurichten, bzw. bei einer Sache zu bleiben. Neutral heisst, ein Taxifahrer braucht diese Fähigkeit genauso wie ein Heckenschütze, eine Buchhälterin, Verkäuferin oder jemand, der Verträge unterschreiben muss...

Dies ist ein SEHR wichtiger Punkt und kommt in der modernen Yogastunde häufig viel zu kurz, denn die Aufmerksamkeitsspanne eines Erwachsenen liegt Sage und Schreibe bei ca. 6 Sekunden. Die Aufmerksamkeitsspanne der jüngeren Generation, die gerade mit Smartphone heranwächst und erzogen wird liegt vielleicht noch bei 2 Sekunden!

 

 

Dhyana:

Meditation.

Ein vom konventionellen Ego Verstand (ahamkara=Ich-macher) losgelöster Zustand der objektiven, neutralen Beobachtung. Der Geist wird immer wieder auf einen Punkt ausgerichtet; die Klassiker der Ausrichtungsobjekte sind der Atem oder ein Mantra. Die Gedanken, Erinnerungen und Emotionen stören die meditative Phase nur noch im Ansatz und sehr selten.

 

 

Samadhi:

Versenkung; Sammlung.

Das sogenannte Ziel des Yoga; hier geht die Reise eigentlich erst richtig los. Dieser Zustand geht über unsere drei normalen Bewusstseinszustände Wachen, Träumen und traumlosen Tiefschlaf hinaus. Gedanken, Erinnerungen etc. tauchen ab der sog. angrenzenden Sammlung gar nicht mehr auf. Der Geist des oder der Praktizierenden findet zum ersten mal die langersehnte Ruhe und Stille. Bei vielen westlichen Meditations- und Yogalehrern wird die Meinung vertreten, dass es nicht möglich sei, nicht zu denken. Diese Annahme ist nicht korrekt.

 

 

Alles, was man nun eigentlich für seine persönliche Yogapraxis wissen sollte, wird wie folgt zusammengefasst:

 

Patanjali Yoga Sutra 1.14:   ´sa tu dīrghakāla nairantarya satkāra-ādara-āsevito dṛḍhabhūmiḥ´

 

„Der Erfolg wird sicher sein, wenn geeignete Übungen über einen längeren Zeitraum, durchgehend, ernsthaft und mit Gewahr-Sein ausgeführt werden.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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